Editorial von Dr. Philipp Gut

    Liebe Leserin, lieber Leser

    (Bild: zVg)

    Das neue Jahr beginnt bei uns ganz tierisch. Pro Natura wählt jeweils ein Tier des Jahres, diesmal ist es der Gartenschläfer. Wir haben Matthias Betsche, den Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, gebeten, uns den scheuen Nager vorzustellen. Im 19. Jahrhundert kamen Gartenschläfer auch hier im Mittelland noch vor. Doch seit Jahrzehnten schrumpft ihr Bestand stark. Die Gründe für den Rückgang seien teilweise unklar. Sicher spiele der Lebensraumverlust auch eine Rolle. Betsche schreibt: «Gartenschläfer, Siebenschläfer und Haselmaus sind vor allem nachts und in der Dämmerung unterwegs und lassen sich deshalb nur sehr schwer beobachten. Fast alle kleinen Säugetiere halten sich zudem gerne im Verborgenen auf: in dichter Vegetation, zwischen Ästen oder Steinen oder in Erdhöhlen.» Pro Natura Aargau möchte daher die Aargauer Bevölkerung dazu aufrufen, bei der Aktion «Spurensuche Gartenschläfer» mitzumachen sowie Sichtungen und Spuren von Gartenschläfer, Siebenschläfer oder Haselmaus im Kanton Aargau an die Naturschutzorganisationen zu melden. Die Entdeckung von «Zorro», wie der Gartenschläfer wegen seiner schwarzen Gesichtsmaske genannt wird, wäre für den Aargau eine «kleine Sensation», betont Betsche.

    Ein weiteres Scheinwerferlicht werfen wir auf die Felche, den Fisch des Jahres 2022. Sie ist zwar im Gegensatz zum Gartenschläfer weit verbreitet, verdient aber dennoch unsere Aufmerksamkeit. In der Schweiz gibt es mehrere Felchenarten, die nur hier vorkommen. Lesen Sie das Porträt des beliebten Speisefisches aus der Feder von Thomas Schläppi, verantwortlich für den Fachbereich Gewässerschutz und Fischerei beim Schweizerischen Fischerei-Verband.

    Neben dem Fisch darf natürlich auch der Vogel nicht fehlen. Unsere Redaktorin Corinne Remund hat sich mit Gertrud Hartmeier unterhalten, der Präsidentin von BirdLife Aargau. «Vögel sind wichtige Indikatoren für den Zustand unserer Umwelt», sagt Hartmeier im Interview. Mit dem Klingnauer Stausee und den umliegenden Auengebieten beherbergt der Kanton Aargau eines der wichtigsten Feuchtgebiete der Schweiz und ein Naturschutzgebiet von internationaler Bedeutung. «Unter Ornithologen ist der Klingnauer Stausee ein landesweit bekanntes Gebiet, wo auch seltene Vogelarten regelmässig beobachtet werden können. Über 300 Vogelarten wurden bereits nachgewiesen», so Hartmeier.

    Die «Umwelt Zeitung» setzt sich nicht nur für Vielfalt im Reich der Tiere und Pflanzen ein, auch in der umweltpolitischen Diskussion pflegen wir die offene, liberale Debatte mit möglichst vielen Standpunkten. Dabei bieten wir national bekannten Persönlichkeiten eine Plattform für ihre Ideen und Argumente. In unserer Serie zur Energie- und Klimapolitik haben wir unter anderem Gerhard Pfister (Präsident Die Mitte), Jürg Grossen (Präsident Grünliberale), Regula Rytz (Nationalrätin Grüne) oder Christian Wasserfallen (Nationalrat FDP) eine Carte blanche gegeben. In der aktuellen Ausgabe hat nun die SP das Wort. In ihrem Beitrag stellen die Nationalräte Nadine Masshardt und Cédric Wermuth – er ist zugleich Co-Präsident der SP Schweiz – ihr neues Projekt eines Klimafonds vor. In ihrem exklusiv für die «Umwelt Zeitung» verfassten Bericht schreiben sie: «Wer die Klimapolitik deblockieren will, muss sie auf den Boden der Realität zurückholen. Dafür müssen wir einen Klimaschutz machen, der überall – in Stadt und Land gleich – das Leben der Menschen verbessert. Eine solche Politik kann man nicht dem Wettbewerb überlassen, sondern sie muss zur öffentlichen Aufgabe, zum Service public, werden. Das kann die Schweiz. Sie hat es in der Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen: Beim Bau des Gotthardtunnels und später der NEAT, bei der Schaffung der SBB oder bei der Einführung der AHV.» Deshalb schlägt die SP nun einen milliardenschweren Klimainvestitionsfonds vor.

    Last but not least möchte ich Ihnen den Gastbeitrag von Hans-Ulrich Bigler empfehlen. Der Präsident des Nuklearforums und Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands sgv äussert sich zum wegweisenden Entscheid der EU, die Kernkraft als klimafreundlich einzustufen. Das könnte auch Auswirkungen auf die energiepolitische Debatte in der Schweiz haben. Und natürlich ganz besonders auf den Kernkraftstandort Aargau.

    Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

    Dr. Philipp Gut, Verleger