Fakten statt Fake in der Debatte um die Massentierhaltungsinitiative

    Bereits der Name der Initiative ist irrführend, denn in der Schweiz gibt es keine Massentierhaltung. Ein kurzer Blick in die Statistiken zeigt, dass die Schweiz in Sachen Tierhaltung einen weltweiten Spitzenplatz belegt. Wer sich also wirklich für das Wohl der Tiere einsetzen will, sollte diese Initiative ablehnen.

    (Bild: pixabay) Durch die Beschränkung der maximalen Anzahl Tiere pro Betrieb haben diese in der Schweiz mehr Platz im Vergleich zum Ausland.

    Obwohl die Schweiz gemäss Animal Protection Index (API) den weltweiten Spitzenplatz bezüglich Tierhaltungsbedingungen hält, wurde die Initiative über die sogenannte «Massentierhaltung» lanciert. Die Schweiz, mit einem der weltweiten strengsten Tierschutzgesetz, sorgt dafür, dass es hierzulande keine Massentierhaltung gibt. In der Debatte blenden die Initianten bewusst die Fakten aus, denn diese würden offenbaren, wie gut die Haltebedingungen sind.  

    Tiere haben es in der Schweiz besser als in der EU
    Tiere in der Schweiz haben im Vergleich zum Ausland mehr Platz und auch die Transportwege sind kürzer. Die maximale Anzahl der Tiere pro Betrieb ist beschränkt, ganz im Gegensatz zum europäischen Umland. So hat ein in der Schweiz gehaltenes Schwein 20%, ein Huhn sogar 27% mehr Platz als in der EU. Noch schlimmer: Während wir in der Schweiz klare Richtlinien für die Platzverhältnisse von Rindern, Schafen, und Ziegen haben, existieren solche in der EU nicht. Ähnlich verhält es sich bei den Tiertransporten. Während in der Schweiz maximal 8h Transportzeit respektive 6h reine Fahrzeit erlaubt sind, dürfen in der EU Schweine 3x länger (24h), Rinder sogar 3.5x länger (28h) transportiert werden. Auch bei den Maximalbeständen pro Betrieb gibt es in der Schweiz klare Richtlinien, in der EU sucht man danach vergeblich.

    In der EU gibt es Geflügelbetriebe mit bis zu 600’000 Tieren und gemäss dem Schweizer Tierschutz ist es durchaus üblich, dass es in der EU Landwirtschaftsbetriebe mit 50’000 bis 100’000 Tieren gibt. Selbst Bio-Eier stammen aus Betrieben mit 30’000 bis 40’000 Tieren. Es darf nicht vergessen werden, dass die Schweizer Land- und Lebensmittelwirtschaft mit der EU aufgrund des Einkaufstourismus im Wettbewerb steht. 

    Die Mär vom zu hohen Fleischkonsum
    Als weiteres Argument führen die Initianten den angeblich viel zu hohen Fleischkonsum in der Schweiz und die damit verbundene Klimabelastung auf. Was bewusst nicht erwähnt wird: Gemäss Bundesdaten ist der Fleischkonsum pro Kopf seit den 1980er-Jahren rückläufig und in den letzten 20 Jahren um 10% gesunken. In der Schweiz wird gemäss UN-Daten beispielsweise 30% weniger Fleisch konsumiert als in Deutschland oder in Österreich. Bei den Treibhausgasemissionen wird schwarzgemalt. Gemäss den Daten der Bundesämter und Swissveg könnten wir mit vegetarischer Ernährung nur gerade 2% unseres ökologischen Fussabdrucks reduzieren. Den Hauptbestandteil der Landwirtschaftsflächen bilden in unserem Land Wiesen und Weiden. Nur dank Nutztieren sind wir in der Lage, diese in hochwertiges Eiweiss für Menschen umzuwandeln. Ebenfalls belegen diverse wissenschaftliche Studien die Wichtigkeit von tierisch erzeugten Lebensmitteln in Bezug auf die menschliche Entwicklung. Gerade Fleisch ist reich an wichtigen Nährstoffen und Vitaminen. 

    Ein Nein hätte gravierende Folgen für die Selbstversorgung
    Bei einer Annahme der Initiative müssten praktisch alle bestehenden Ställe der landwirtschaftlichen Nicht-Biobetriebe angepasst und viele neue gebaut werden. Insgesamt würden die Tierbestände in der Schweiz sinken, mit negativen Konsequenzen nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für die Fleischwirtschaft und ihre Zulieferer in anderen Wirtschaftsbranchen. Betriebsschliessungen wären die Folge, mit gravierenden Auswirkungen auf die Selbstversorgung. 

    Zudem zeigt sich, dass die massive Zuwanderung seit Einführung der Personenfreizügigkeit mit der EU auch in diesem Bereich negative Konsequenzen hat. Der Druck auf die Landwirtschaftsflächen wird immer grösser, da ständig mehr Wohnraum gebaut werden muss im Hinblick auf die drohende 10-Millionen-Schweiz. Der Fleischkonsum pro Kopf hat zwar abgenommen, gesamthaft steigt er aber als Folge der anhaltenden Zuwanderung. Mit einer tieferen inländischen Produktion würden die Preise für Schweizer Fleisch steigen, was zusätzliche Importe von Billigfleisch ausländischer Massenproduzenten und mehr Einkaufstourismus auslösen würde, um die Nachfrage zu decken.

    Die Initiative will zwar strengere Importvorschriften, dies wäre jedoch eine Verletzung der WTO-Richtlinien, und auch die praktische Umsetzung mit Kontrollen wäre kaum durchsetzbar, da die Schweiz auf dem internationalen Fleischbeschaffungsmarkt eine untergeordnete Rolle spielt. Ironischerweise würde eine Annahme sowohl zu einer Verschlechterung des Tierwohls als auch zu einer höheren Treibhausgasbelastung führen. 

    Somit wäre der Name «Anti-Tierwohlinitiative» passender. 

    Mike Egger (SVP).
    Nationalrat und
    Fleischfachmann.